Hüftgelenksdysplasie

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HÜFTGELENKSDYSPLASIE (HD)

Definition

Das Wort Dysplasie steht für "Fehlbildung". Häufigste Form der Gelenkerkrankung beim Hund, hierbei sind Kugel und Pfanne des Hüftgelenkes nicht korrekt ausgebildet. Man spricht von einer krankhaften Veränderung der Hüfte.

Symptome

Die klinischen Symptome variieren mit dem Alter und dem Grad der HD:

  • jünger als 3 Monate: Eventuell ohne Symptome, aber der betroffene Welpe wirkt extrem tollpatschig aufgrund der Instabilität der Hüfte.
  • 3 bis 18 Monate: Bei einigen Fällen können Symptome ausbleiben, aber bei vielen jungen Hunden verursachen Hüftschmerzen Lahmheit und eine Laufunwilligkeit
  • Mittleres bis hohes Alter: Eventuell tritt eine Arthritis in der Hüfte auf und der Hund benötigt eine medizinische Behandlung oder einen operativen Eingriff.

Als allgemeine Symptome sind festzuhalten: Die Tiere zeigen in der Regel eine verminderte Aktivität, spontane Lahmheit mit Schwierigkeiten beim Aufstehen und einen verkleinerten Bewegungswinkel des Hüftgelenks. Eine passive Bewegung des Hüftgelenkes ist schmerzhaft.

Junge Hunde mit ausgeprägter HD zeigen vor allem Schmerzen als Folge der starken Lockerheit der Hüftgelenke während bei älteren Hunden die Schmerzen als Folge der Abnutzung (Arthrose) der Hüftgelenke überwiegen. Bei leichteren Formen der HD können Krankheitshinweise fehlen, solange der Hund nicht stark beansprucht wird. Auch zwischen den einzelnen Hunden bestehen Unterschiede in der Schmerzempfindung: Während der eine Hund mit leichter HD bereits hinkt, hat der andere Hund mit fortgeschrittener Arthrose eine spezielle Bewegungstechnik entwickelt, um Schmerzen zu vermeiden: Der Besitzer merkt von der Behinderung unter Umständen gar nichts.


Anatomische Beschreibung

Das gesunde Hüftgelenk des Hundes ist im Allgemeinen ein Nussgelenk (Enarthrosis), in dem der Oberschenkelkopf (Caput ossis femoris) mit der Beckenpfanne (Acetabulum) artikulieren, d.h., zusammen ein Gelenk bilden. Folgende Bänder halten das Gelenk zusammen: Das runde Band (Ligamentum capitis ossis femoris) hält den Oberschenkelkopf in der Pfanne. Es beginnt („entspringt“) in der Gelenkpfanne und zieht zum Caput ossis femoris. Außerdem gibt es noch das Beckenpfannenquerband (Ligamentum transversum acetabuli) und das Labrum acetabuli, das die Gelenkpfanne verbreitert und stärkt und zusätzlich Stütze und Halt gibt. Das Gelenk ist stark von Muskulatur umgeben, die dem Gelenk auch u.a. zusätzlich Halt gibt.

Bei einer gesunden Hüfte ist der Oberschenkelkopf (Femurkopf) groß, rund und glatt. Der Oberschenkelhals (Femurhals) ist deutlich ausgeprägt und hat glatte Ränder, die Ränder der Gelenkpfanne (Acetabulum) sind ebenfalls glatt. Der Oberschenkelkopf passt formgenau in die Gelenkpfanne, diese umschließt dabei mehr als 50 % des Oberschenkelkopfes.

Bei einem an HD erkrankten Hund ist die Gelenkpfanne (Acetabulum) oftmals zu flach und der Gelenkkopf (Femurkopf) ist zu klein und missgebildet. Diese beiden gelenksbildenden Knochen, passen somit nicht korrekt aufeinander. Die Fehlbildung tritt in der Regel beidseitig auf und kann unterschiedlich stark ausgebildet sein. Es kann zur Gelenkinstabilität führen, die eine schmerzhafte Lahmheit für das ganze Leben verursacht.

Bei einem an HD im fortgeschrittenen Stadium erkrankten Hund sind der Oberschenkelkopf und -hals missgebildet, die Ränder sind aufgrund der Knochenverformung aufgeraut. Die Ränder der Gelenkspfanne sind rau, da rund um das Gelenk neuer Knochen gebildet wird (Osteophyten). Der Gelenkspalt ist extrem unregelmäßig, weil von Gelenkkopf und -pfanne Knorpelgewebe abgebaut wurde.

Die Ausbildung der Hüftpfanne findet normalerweise innerhalb der ersten fünfzehn Lebensmonate statt, indem der Oberschenkelkopf sich in diese drückt. Ist die Winkelung nicht korrekt, kommt es zu Störungen dieses Prozesses. Die Folge ist HD - also ein abnorm geformtes Hüftgelenk. Häufig folgt früher oder später Folge Arthrose im betreffenden Gelenk.

Man unterscheidet verschiedene Formen:

  • Übergangsform
  • mittlere HD
  • schwere HD

Ein Hund ohne HD erhält nach tierärztlicher Untersuchung ein HD-A gleichbedeutend mit HD-frei. Die weiteren Stufen sind

  • HD-B (HD Verdacht)
  • HD-C (leichte HD)
  • HD-E (schwere HD).

Zur Zucht zugelassen werden nur Hunde mit HD-A,B oder C. Es dürfen nur B- und C-Hunde mit A-Hunden verpaart werden.

Ursachen

Die Entwicklung der Hüftgelenke wird maßgeblich durch zwei Komponenten beeinflusst:

Die wichtigste Ursache jedoch bei der HD des Hundes liegt in den Erbanlagen, welche Gene eine Rolle spielen, ist bis heute nicht geklärt. Erwiesen ist hingegen, dass sich HD häufig in Form einer übermäßigen Lockerheit oder Instabilität des Hüftgelenkes zeigt, was die Bildung von Arthrose begünstigt. Das Hüftgelenk nimmt Schaden, wenn der Oberschenkelkopf dauernd in der Gelenkspfanne umherrutscht. Er wird, technisch ausgedrückt, wie ein lockeres Radlager ausgeschlagen. Beim jungen Hund zeigen sich deshalb die stärksten Veränderungen an der Gelenkspfanne: sie weitet sich auf und flacht sich ab. Damit wird der Oberschenkelkopf nicht mehr korrekt geführt und es entwickelt sich eine Arthrose.

Bei einem Hund mit Veranlagung zu HD ist es möglich, durch eine kalorienmäßig zurückhaltende und ausgewogene Fütterung das Ausmaß der Krankheit zu mildern. Es ist erwiesen, dass Hunde, die langsam wachsen, weniger schwer an HD erkranken als ihre schneller wachsenden und damit schwereren Wurfgeschwister. Besonders wichtig ist es dabei, im Futter ein Überangebot von Kalzium (Futterkalk) zu vermeiden. Deshalb sollte bei Verwendung eines Vollwertfutters darauf geachtet werden, dass das Verhältnis von Kalzium zu Phosphor etwa 1 : 1 ist (früher 1,5 : 1). Damit hat der Hund trotz ungünstiger Erbanlagen eine größere Chance, akzeptable Hüftgelenke zu entwickeln und ein weitgehend normales und schmerzfreies Leben zu führen. Weiter ist es in solch einem Falle vernünftig, eine massive Überbeanspruchung des noch unreifen Skeletts des Junghundes zu vermeiden, da ein Knochen im Wachstum weniger belastbar ist, als das Skelett eines ausgewachsenen Tieres.

Auftreten / Statistik

Die Häufigkeit des Auftretens von HD bei großen Hunderassen stellt sich wie folgt dar:

  • 0 - 20%: Siberian Husky, Collie (Bearded/Rough), Belg. Schäferhund
  • 21 - 40%: Dalmatiner, Hovawart, Border Collie, Eurasier, Airedale Terrier, Leonberger, Bouvier, Dogge
  • 41 - 60%: Riesen Schnauzer, Großpudel, Bobtail, Labrador, Berner Sennenhund, Briard, Irish Setter, Golden Retriever, Neufundländer, Deutscher Schäferhund, Boxer
  • Über 60%: Bernhardiner, Engl. Setter, Gordon Setter


Züchterische Maßnahmen gegen HD

Schon seit den 60er Jahren wurde auf breiter Grundlage innerhalb der Rassezuchtvereine eine wirksame züchterische HD-Bekämpfung diskutiert. Als Folge haben einige Rassezuchtvereine bestimmt, dass mehr oder weniger streng von HD befallene Hunde von der Zucht ausgeschlossen werden. Diese Maßnahmen erfolgten in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Tierärzten.

Wichtig ist dabei eines: Phänotyp und Genotyp können in der Hundezucht weit auseinanderliegen. Nur der Genotyp der Nachkommen läßt eine verläßliche Aussage über die tatsächliche genetische Belastung der Zuchttiere (Elterntiere) zu.

Somit müssen die HD-Befunde der Nachkommen als Selektionsgrundlage für die Eltern dienen. 

Bei Verwendung von Eltern oder Geschwistern von HD-erkrankten Tieren zur Zucht, ist es zu 100 % wahrscheinlich, dass die Elterntiere defekte Gene tragen und zu fast 100 % wahrscheinlich, dass dies auch bei den Geschwistern vorliegt.

Somit ist der Zuchteinsatz der Verwandten von HD-erkrankten Hunden gleich der bewußten Zuchtverwendung von HD-erkrankten Hunden.


Siehe auch

Literatur

Weblinks



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